Kurztest: BMW C Evolution

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BMW C Evolution unterhalb der Burg Teck

Heute konnte ich ab 10:00 Uhr einen C Evolution Roller für 4 Stunden zur Probefahrt ergattern.

Die telefonische Terminvereinbarung bei Fa. Brauneisen im Nachbarort Wendlingen lief problemlos und so war ich um kurz nach 10:00 Uhr vor Ort. Vom freundlichen Verkaufsberater Sandro und vom Meister gab es eine ausführliche Einführung zur allgemeinen Bedienung und natürlich etliche Hinweise zu den Besonderheiten des elektrischen Antriebes. Eine so gute Einführung hatte ich bislang noch nicht – Fa. Brauneisen gibt sich wirklich Mühe, dieses etwas besondere Bike gut zu erklären. Zumindest ich hatte keine Fragen mehr offen.

Also nix wie rauf auf den Bock und ab dafür. Nach dem Umdrehen des Zündschlüssels in Startposition, erfolgt wie bei einem Moped mit Verbrennungsmotor ein Druck auf den Startknopf – hierdurch wird die Antriebseinheit quasi „scharf“ gemacht. Hören tut man absolut nichts und ein zarter Dreh am „Gasgriff“ setzt den Roller in Bewegung. Wirklich einfach und vertraut – den C Evolution wird wohl jeder mit etwas Automatik-Erfahrung sofort problemlos bewegen können. Es gilt nur den Gasgriff und die beiden Hebel für die Bremsen (hinten einfache, vorne doppelte Scheibenbremsen) im Auge zu behalten – den Rest macht der Roller.

Cockpit / Verarbeitung

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Übersichtliches und funktionelles Cockpit. Die hoch nach aussen stehenden Rückspiegel (tragen auch die Blinker auf der Vorderseite) gefallen mir sofort und bieten eine gute Sicht nach hinten.

Zentrales Element ist die in der Mitte angeordnete Multi-Funktionsanzeige, die sich übrigens auch bei direktem Sonnenschein noch einwandfrei ablesen läßt. Zumindest ich habe bislang noch kein so gutes Display mit einer solchen Leuchtkraft gesehen. Daumen hoch!

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Hier werden alle üblichen und teilweise durch Auswahlknöpfe am Lenker selbst zu bestimmende Informationen und natürlich die für einen elektrobetriebenen Roller spezifischen Kennwerte übersichtlich angezeigt.

Unterhalb der Geschwindigkeitsanzeige befindet sich eine horizontal und dann nach oben verlaufende Balkenanzeige. Beim Gas geben wandert das blaue Anzeige-Element aus der Mitte nach rechts (dem Akku wird Energie entnommen) und bei Bergabfahrten nach links – ja genau, dann wird Bewegungsenergie zurück in Strom gewandelt und der wieder im Akku gespeichert. Ich komme später noch einmal auf diesen Punkt zu sprechen.

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Funktionale und gut zu bedienende Elemente am Lenker. Links die R-Taste wird gedrückt gehalten und dann fährt man tatsächlich mit Motorunterstüzung rückwärts – das hat sich bestimmt jeder, der ein schweres Bike bewegt, schon x-fach gewünscht. Klasse!

Grundsätzlich entdecke ich an jeder Ecke die BMW-typische gute Verarbeitung – das wackelt oder klappert nix.

Stauraum

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Unter dem Sozius-Sitzplatz ist ein relativ tief ausgelegter Stauraum vorhanden. Der Platz sollte für einen Integralhelm ausreichen – ob es mit Ladekabel noch passt, habe ich nicht ausprobiert.

Zusätzlich gibt es vorne im Fußbereich rechts noch eine (abschließbare) Klappe mit weiterem Stauraum für kleinere Gegenstände. Links existiert auch eine Klappe, aber dahinter befindet sich die Ladebuchse für das „Tanken“.

Tanken

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Ohne Strom nix los – so das Motto beim Elektro-Roller. Fa. Brauneisen hatte das Ladekabel im Stauraum belassen und so führte mich die erste Fahrt direkt nach Hause – das wollte ich sofort ausprobieren. Stecker in die 230V Steckdose, vorne links eine Klappe öffnen, Kabel rein und warten…

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Im Ladekabel ist diese Steuereinheit integriert – hier kann man den Ladestrom durch Tipptasten selbst einstellen. Ganz praktisch, falls man an einer älteren Steckdose tankt, die ggf. keine 13 Ampere liefern kann.

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Im Multi-Funktionsdisplay wird der aktuell erreichte Ladezustand und die noch zu erwartende Ladezeit angezeigt. Nach kurzer Zeit springt ein deutlich wahrnehmbarer Lüfter an, der wohl für die Kühlung der Ladeelektronik sorgt. Ich habe nur ca. 1/4 Stunde geladen, Ziel war ja eindeutig das Fahren.

Fahren

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Kurz: Fahrspaß hoch drei! Ich kann das wirklich nicht mal ansatzweise beschreiben. Das muss man selbst ausprobieren. Ich kann nur jedem eine eigene Probefahrt empfehlen und verspreche Euch, dass ihr die so schnell nicht vergessen werdet.

Nachfolgend einfach (ohne eine bestimmte Abfolge) die Punkte, die mir besonders aufgefallen sind.

  • Die Beschleunigung ist grandios. Ich habe so etwas bestenfalls in der Jugend auf Jahrmärkten in den dort üblichen „Fahrgerätschaften“ erlebt. Vom Start weg bis 100km/h gefühlt linear und bullenstark. Muss man selbst erlebt haben. Eine starke Verbrennungsmaschine mit DCT-Getriebe geht in die Richtung (habe den Honda Crosstourer zur Probe gefahren), aber was dieser Roller abliefert ist unglaublich. Ich wollte eigentlich gar nicht mehr runter, so viel Spaß macht das… :-)
  • Der C Evolution verfügt über diverse Fahrmodi (Taste ‚Mode‘ rechts am Lenker): Dynamic, Eco Pro, Street, Sail. Anhand der Bezeichnung kann man grob vermuten, was der Unterschied ist. Ich habe nur 2 Modi gefahren, die anderen müsste man in Ruhe kennenlernen.
  • Fahrmodus „Dynamic“ liefert wohl max. Beschleunigung, lädt den Akku im Schubbetrieb auch sehr stark auf. In diesem Modus brauchte ich selbst bei Abfahrten ins Tal von der Alb runter überhaupt keine Bremse (ich war nicht langsam unterwegs). Wenn man den Gasgriff zurück dreht, bremst der Motor sehr stark und speichert die gewonnene Energie im Akku. So konnte ich auf ca. 15km Abfahrt bis zu 7km zusätzliche Restlaufstrecke erzielen. Sind natürlich alles nur angezeigte Werte – auf jeden Fall toll. Und das Konzept schont die Bremsen enorm – ausser in Gefahrensituationen braucht man eigentlich in diesem Fahrmodus keine Bremsen mehr. Selbst beim Zurollen auf eine Ampel verzögert der Motor vollkommen ausreichend. Spitze!
  • Fahrmodus „Eco Pro“. Sehr gezügelte Beschleunigung, aber für das Mitschwimmen im Stadtverkehr ausreichend. Auch hier liegt der Fokus beim Verzögern auf der Energierückgewinnung und das Hauptziel ist eine maximale Reichweite.
  • Prima Fahrwerk. Der C Evolution wirkt agil und wendig und es scheint, als ob er an einer Schnurr durch (auch schnell gefahrene) Kurven gezogen würde. Das vermittelt ein sicheres Fahrgefühl und Kurvenfreunde kommen bestimmt nicht zu kurz. Einzig kurze Unebenheiten könnte er für meinen Geschmack noch etwas besser wegbügeln. Wirklich gut!
  • Stille. Ja, als bekennender Fan von leisen Bikes ist der C Evolution für mich ein Traum. Mit bis zu 130 lautlosen Kilometern pro Stunde einfach so dahin gleiten – das ist unbeschreiblich. Dreifach Daumen hoch!
  • Wegen der enormen Beschleunigung und der starken Verzögerung im Schubbetrieb rutsche ich zeitweise auf dem Sitz vor- und zurück. Mag an der Kevlar-Jeans gelegen haben. So kenne ich das vom meiner RT nicht.
  • Im Schubbetrieb produziert der Antriebsstrang (oder was auch immer) ein surrendes Geräusch. Das ist nicht laut und unangenehm, könnte aber gerne in einer zukünftigen Modellversion wegfallen.
  • Reichweite. Wird von BMW mit ca. 100km angegeben. Die kann man bei gemäßigter Fahrweise auch locker erreichen. Wenn man aber wegen dem unglaublichen Fahrspaß den Motor fordert, werden es vielleicht geschätzte 80km sein. Leider ist das genau das Problem für alle Nicht-Pendler. Wer gerne Touren oder auch nur Ausflüge mit ein paar hundert Kilometern fährt, wird mit diesem Akku-Konzept wohl nicht glücklich. Wasserstoffzelle wäre ggf. eine Alternative. Trotzdem ein großes Lob an BMW für diesen wirklich fantastischen Roller.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Sandro für die sehr ausgedehnte Probefahrt! :-)

Bilder

Direktzugriff auf das Album auf flickr:
Probefahrt mit dem BMW C Evolution Roller (Album Bike Test/Vorstellungen)
(Bilder können dort auch in höheren Auflösungen heruntergeladen werden)

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