Mal wieder eine neue alte

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Meine Ziehtochter Vanessa macht demnächst A2. Nachdem sie mit ihrer Suzuki GN 125 schon über 17000 km bei jedem Wetter unterwegs war, dachte ich, es wäre langsam an der Zeit, nach einer adäquaten Nachfolgerin zu suchen.

Also erstmal auf die „Wheelies“ im Februar mit ihr gefahren, und einfach mal ein paar geeignete Mopeds probesitzen lassen.

Yamaha MT07, Suzuki SV 650, Kawasaki EN6, alles was so ein Richtung kleiner, nackter Allrounder ging, erzeugte ein Leuchten in ihren Augen. Sitzhöhe nicht über 80 cm, nicht allzu schwer, möglichst zuverlässig und wetterfest, und zu guter Letzt leichte Wartung, günstige Gebrauchtteile und ein möglichst geringer Kapitaleinsatz.

Gar nicht so einfach, da was zu finden.

Wochenlang die Angebote bei Mobile und Autoscout studiert, eMails geschrieben, Besichtigungstermine vereinbart. Bis 48 PS erwies sich der Markt als sehr übersichtlich, da erscheinen nur die Suzuki GS 500 und ein paar Einzylinder Enduros, also erweiterte ich die Suche auf drosselbares Alteisen.

Letztendlich blieben nur die Suzuki SV 650, die Honda CB 500, die Yamaha XJ 600 Diversion, die Kawasaki GPZ 500 und die ER 5 Twister übrig.

Hab dann in den einschlägigen Foren recherchiert, was die User da von aufwändigen Wartungsarbeiten und Schäden zu berichten hatten. Damit fielen die XJ 600 und die SV 650 raus, die scheinen in fortgeschrittenem Alter doch ihre Probleme zu haben. Alle außer den beiden Kawa´s haben Tassenstössel, was das Einstellen der Ventile zwar verzögert, aber durch den Ausbau der Nockenwelle sehr aufwändig macht.

Die GPZ 500 ist ein Kind der 80er, und ihre Verkleidung erscheint sehr altbacken.

Die Entscheidung war gefallen. Eine Twister sollte es werden.

Nachdem schon zwei Besichtungungstermine im letzten Moment entfallen waren, weil schon ein anderer Käufer zugeschlagen hatte, mußte ich notgedrungen meinen Handlungsradius von 100 auf 200 km ausdehnen.

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Eine rote ER 500 A, Bj. 98, 15600 km, TÜV bis 7/17 für 1170,–, Standort Kronach, erweckte mein Interesse. Über eMail erfuhr ich vom Verkäufer, daß er am Wochenende eigentlich beim Umzug seiner Tochter helfen wollte, aber sich doch 1-2 Stunden freimachen könne. Also Samstag 10:00.

Freitag abend, als klar war, daß der Termin stattfinden würde, zeigte ich Vanessa das Inserat, und da war es wieder, dieses kurze Aufblitzen in den Augen und ein einfaches „oh, die ist hübsch“.

Als ich die Addresse gefunden hatte, stand der Verkäufer schon in der Garage. Sichtbare Schäden – außer einem vernarbten Kupplungsdeckel – keine, neue Reifen und Kette, frisches Öl, Bremsbeläge mit neuwertiger Dicke, nur beim Druck auf den Starter passierte „nichts“.

Dieses Nichts versucht der Verkäufer mit dem Starthilfekabel seines PKW zu überbrücken, die Kleine springt sofort an, aber als er die Kabel entfernt, stirbt der Motor ab. Seine Frau bietet sich sofort an, eine neue Batterie zu besorgen und wir trinken in der Zwischenzeit Kaffee.

Mit neuer Batterie verläuft die Probefahrt sehr erfreulich. Der kleine Zweizylinder vibriert bis 3000 Touren etwas ungewohnt, bietet aber bis 7000 Touren ein erstaunliches Drehmoment. Bei dieser Drehzahl läuft sie schon 140 km/h im großen Gang, sodaß man im normalen Landstraßenbetrieb entspannt mit moderaten Drehzahlen unterwegs ist und zum Überholen kaum zurückschalten muß.

Darüber zeigt sie dann, was in ihr steckt, plärrt heiser aus dem Auspuff, ich bin eine halbierte Ur-Ninja und bietet erstaunlichen Vortrieb für so einen Hubraumzwerg. Der Vortrieb endet erst jenseits der 180, und mehr braucht´s eigentlich nicht. Das Handling ultraagil mit stabilem Geradeauslauf, Bremsen klassenüblich, die Federung unauffällig, das Teil macht von Anfang an Spaß.

Wir einigen uns auf 1100 glatt, ich verspreche sie baldmöglichst abzumelden und mache mich auf den Heimweg. Nach 1 1/2 vergnüglichen Stunden hat sie die Fahrt in ihr neues Domizil geschafft.

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